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Was ist Hämophilie

Die Hämophilie ist eine angeborene, vererbte Blutgerinnungsstörung, bei welcher der Gerinnungsfaktor VIII oder IX im Körper nur unzureichend oder gar nicht gebildet wird, was zu einem gestörten Gerinnungsprozess, zu Wundheilungsstörungen und einer erhöhten Blutungsneigung führt.

Bei den angeborenen Formen der Hämophilie unterscheidet man zwischen der Hämophilie A und der Hämophilie B. 

Bei der Hämophilie A fehlt der Faktor VIII, bei der Hämophilie B der Faktor IX. Hämophilie A (ca. 80%) kommt dabei häufiger vor als Hämophilie B (ca. 20%). 

Schweregrade:  Die Schwere der Hämophilie bezieht sich auf die Restaktivität von Faktor VIII oder IX im Blut. Es gibt eine milde (>5 %), mittelschwere (1 - 5 %) und schwere (<1 %) Form. Je geringer die Restaktivität ist, umso schwerer ist die Hämophilie ausgeprägt. 

Folgen:  Die Folgen sind eine eingeschränkte oder stark eingeschränkte Blutgerinnung verbunden mit einer erhöhten Blutungsneigung. Auftretende Wunden schließen sich nicht vollständig oder nicht schnell genug, sodass es auch zu schweren Blutungen kommen kann. Als Spätfolge der Blutungen kann es zu Gelenkschäden kommen. 

Häufigkeit 

Die Häufigkeit von Hämophilie wird auf 30-40 pro 1 Mio. Menschen bzw. 5-6 pro 100.000 Menschen männlichen Geschlechts geschätzt. Unter 10.000 männlichen Neugeborenen kann ein Kind von Hämophilie A oder B betroffen sein. Es wird geschätzt, dass weltweit über 440.000 Menschen eine Hämophilie A oder B haben. 

Die angeborene Hämophilie wird X-chromosomal vererbt. Die Gene werden von den Müttern, die selbst nicht erkrankt sind (Konduktorinnen), weitervererbt und führen nur bei männlichen Nachkommen zur Erkrankung (Abb. 1). Die Tochter einer Mutter, die das Gen trägt, hat eine Wahrscheinlichkeit von 50:50, selbst Trägerin zu sein, während der Sohn eine Wahrscheinlichkeit von 50:50 hat zu erkranken (Abb. 2). Etwa ein Drittel der Trägerinnen kann selbst eine gestörte Gerinnung haben. Die Genveränderung (Mutation) kann mehrere Generationen verborgen bleiben, wenn in der Familie nur Töchter geboren werden. In äußerst seltenen Fällen, wenn der Vater hämophil ist und die Mutter Trägerin, kann eine Tochter auf ihren beiden X-Chromosomen das Hämophilie-Gen tragen (homozygot) und so die Krankheit bekommen (Abb. 3). In ca. einem Drittel aller Patienten mit Hämophilie  gibt es keine Vorgeschichte in der Familie und die Hämophilie resultiert aus einer spontanen Mutation. 

 
 
Bild 1

 

Abb. 1:  Vererbung von Genen bei hämophilem Mann und gesunder Frau (Rotes X = Chromosom mit Hämophilie-Gen)
 

 
Bild 2

Abb. 2:  Vererbung von Genen bei gesundem Mann und Konduktorin (Rotes X = Chromosom mit Hämophilie-Gen)


 

Bild 3

  Abb. 3: Vererbung von Genen bei hämophilem Mann und Konduktorin  (Rotes X = Chromosom mit Hämophilie-Gen)

 

 

Behandlung

Dank der heutigen Therapiemöglichkeiten können Menschen mit Hämophilie ein weitgehend normales Leben führen.
   

Faktor VIII oder Faktor IX wird benötigt zur Behandlung

Die Standard-Behandlung von Menschen mit Hämophilie oder mit einem Mangel an anderen Gerinnungsfaktoren ist die Ersatz- oder Substitutionstherapie. Dabei wird dem betroffenen Patienten der entsprechende fehlende oder mangelnde Blutgerinnungsfaktor zugeführt (intravenös injiziert – i.v.). 

Ziele der Hämophilie-Behandlung sind eine rasche und wirkungsvolle Blutstillung, Wundheilung und die Vermeidung von Folgeschäden (z. B. Schädigungen von Gelenken durch Gelenkeinblutungen). 

Die Behandlung und die Kontrollen sollten in einem Hämophiliezentrum durchgeführt werden, wo Patienten auch zur Selbstbehandlung angeleitet werden können.
 

Formen der Behandlung 

Es werden zwei verschiedene Formen der Behandlung unterschieden:

 

  • Die bedarfsabhängige Behandlung (On-Demand-Therapie):
    Dabei wird nur beim Auftreten von Blutungen oder bei Operationen der entsprechende Gerinnungsfaktor i.v. (intravenös) verabreicht.

  • Die vorbeugende (prophylaktische) Behandlung:
    Dabei werden meist mehrmals pro Woche Gerinnungsfaktor-Konzentrate verabreicht.

    Die Blutgerinnungsfaktoren (Faktorkonzentrate) werden entweder aus menschlichem Blutplasma (Humanplasma) gewonnen oder rekombinant (gentechnologisch) hergestellt.

    Novo Nordisk vertreibt ausschließlich rekombinant hergestellte Produkte.

Hemmkörper

Die Behandlung der Hämophilie A oder B erfolgt in Form einer Ersatztherapie mit den jeweils fehlenden Gerinnungsfaktoren (Faktor VIII oder Faktor IX). Bei manchen Patienten entwickeln sich unter dieser Therapie „Hemmkörper“ – das sind Antikörper gegen den zugeführten Faktor VIII oder IX. Die Therapie kann dadurch praktisch unwirksam werden.

– es besteht eine schwerwiegende Blutungsneigung.

Für die Behandlung von Blutungen bei "Hemmkörper-Patienten" stehen spezifische Gerinnungsfaktor-Präparate zur Verfügung, die trotz der vorhandenen Hemmkörper wirksam sind.

Für die langfristige Therapie der Hämophilie und Hemmkörper wird die „Immuntoleranztherapie“ eingesetzt. Bei einer erfolgreichen Immuntoleranztherapie verschwindet der Hemmkörper gegen den fehlenden Gerinnungsfaktor wieder. Eine normale Faktortherapie wird dadurch wieder möglich.